Die Akte CCC

September 12, 2010

Ich hoffe, es sind heute 16:30 alle wieder von der Freiheit statt Angst Demo zurückgekehrt, denn um diese Uhrzeit wird heute auf 3Sat (Den Sender dürftet ihr alle empfangen, einfach mal nach RTL und Co. weiterschalten, irgendwann kommt der;)) eine Dokumentation über den Chaos Computer Club gesendet.

Es geschah auf dem Höhepunkt der Debatte um biometrische Datenerfassung: Der Chaos Computer Club (CCC) legte seiner Vereinszeitschrift „Die Datenschleuder“ ein biometrisches Sammelalbum für die Fingerabdrücke „schnüffelfreudiger“ Politiker bei. Und das erste Feld füllte zum Start gleich ein prominenter Fingerabdruck: Der des damaligen Innenministers, Dr. Wolfgang Schäuble. Den Abdruck hatten CCC-Aktivisten von einem Wasserglas genommen, das Schäuble bei einer öffentlichen Veranstaltung benutzt hatte. So wollte man der Debatte um die biometrische Kompletterfassung der Bundesbürger eine konkretere Form geben.

Noch bis in die 80er Jahre galt der Chaos Computer Club als ein Haufen verrückter Freaks – von vielen belächelt, teils als kriminell verschrien. Die Zeiten haben sich geändert: Heute legen die obersten Richter des Bundesverfassungsgerichts wert auf ihre Expertise, sie sind Teilnehmer bei Hintergrundgesprächen in Berlin und sorgen mit spektakulären Aktionen für Öffentlichkeit. Sie haben heute den Ruf wachsamer Streiter für Demokratie und Datenschutz in der Informationsgesellschaft. Die Bedeutung des CCC ist weltweit einmalig. Zwar gibt es beispielsweise auch in Holland, Österreich, der Schweiz oder den USA Zusammenschlüsse von Hackern – doch diese sind weit weniger vernetzt als der CCC, weniger politisch und bei weitem nicht so präsent und aktiv in der Öffentlichkeit wie hierzulande. In den USA ist das Image der Hacker zudem äußerst schlecht, man sieht sie primär als Kriminelle, die Millionenschäden anrichten. In Deutschland dagegen ist der CCC ein bei der Bundesregierung eingetragener Lobbyverein, dessen Stimme ernst genommen wird. Als der CCC in den Achtzigern gegründet wird, sind Computer und Internet längst kein gesellschaftlicher Alltag. Computer werden Ende der 80er Jahre in einem Beschluss der Grünen gar als Teufelszeug bezeichnet. Der frisch gegründete CCC wird schnell durch spektakuläre Aktionen bekannt: Ob der Einbruch in das BTX-System der Post oder bei der NASA: die Hacker zeigen Sicherheitslücken auf. Damit macht sich der CCC nicht nur Freunde. Spätestens seit dem so genannten KGB-Hack und dem Tod des daran beteiligten Karl Kochs haftet den Nerds rund um den CCC das Image einer kriminellen Vereinigung an, von Verschwörungstheoretikern ist die Rede.Heute sind Computer und Technik tief in unseren Alltag eingedrungen. Gefahren werden bewusster wahrgenommen. Der Einsatz von Wahlcomputern, die Vorratsdatenspeicherung sowie der elektronische Reisepass und ePass sind viel diskutierte Themen. Daten- und Informationsfreiheit sind zentrale Themen des Clubs, für die er sich zunehmend lauter engagiert. So treten Mitglieder des CCC als Sachverständige zur Vorratsdatenspeicherung vor das Bundesverfassungsgericht und sitzen in der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages.

Hacker haben in Deutschland ja einen speziellen Stellenwert. Normalbürger sehen sie als Kriminelle an und fürchten sich vor allem, was auch nur im entferntesten „gehackt“ sein könnte und Szenemitglieder und Scriptkiddies feiern sie als Helden. Doch sind sie nicht von allem etwas? Hollywood übertreibt ja maßlos mit den Hackerklischees in den Filmen, das dürfte jedem klar sein, doch wie wichtig sie auch für die Gesellschaft sind, das findet heute heraus.

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