Nationalstolz Teil 1 – Der Bundesadler

Januar 30, 2010

Viele heute lebende Menschen haben keine Ahnung was Nationalstolz ist! Sie verbinden damit immer Faschismus und Nazideutschland, doch das ist falsch. Jeder Fußballfan, der die deutsche Nationalmannschaft angefeuert hat, besitzt Nationalstolz. Nationalstolz bedeutet, dass man stolz auf seine Nation ist. Daran ist nichts faschistisch, immerhin bedeutet es nicht, dass man denkt seine Nation sei anderen überlegen. Immerhin sind wir hier aufgewachsen und solange wir nichts anderes kennen, ist Deutschland unsere Heimat, und bisher habe ich persönlich es nie bereut Deutscher zu sein. Ihr etwa?
Doch nun zu dem, was ich euch berichten möchte: Jeder, der schonmal etwas von Geographie gehört hat, weiß wie Deutschland auf der Karte aussieht. Nämlich wie ein Adler. Daher vermuten wohl auch viele, dass das Wappen Deutschlands, der Bundesadler, desshalb ausgewählt wurde, doch das ist falsch!

Doch ersteinmal, wie sieht das Wappen von Deutschland eigentlich aus?

Das Bundeswappen ist das offizielle Staatswappen der Bundesrepublik Deutschland. Es weist die Farben der Nationalflagge Schwarz-Rot-Gold auf. Die Darstellung zeigt einen rot bewehrten schwarzen Adler auf goldenem Grund, den so genannten Bundesadler.

Schon weit vor der Bildung der Nationen, galt der Adler zusammen mit dem Löwen als Wappentier. Der Adler galt als Bote der Götter, er symbolisierte Mut und Stärke, weshalb der Vogel auf militärischen Bannern oft abgebildet wurde. Seit etwa 100 v. Chr. war der Adler das Feldzeichen der Römischen Legionen.

Als Karl der Große im Jahre 800 das römische Kaisertum erneuerte und auf das Frankenreich übertrug, übernahm er auch den Adler als Symbol des römischen Weltreichs. Auf seinem Palast zu Aachen ließ er einen metallenen, vermutlich goldenen, Adler anbringen, der noch zur Zeit Heinrichs IV. vorhanden war.

Der Adler symbolisierte zu dieser Zeit keinen bestimmten Staat unter anderen, sondern die Idee der staatlichen Ordnung überhaupt, den Reichsgedanken, so wie das römisch-deutsche Reich übernational war. Im Laufe der Jahrhunderte machte der Adler eine mehrfache Wandlung durch vom imperialen zu einem mit dem Begriff „Deutschland“ verbundenen staatlichen Symbol, daneben auch zu einem Freiheits- und schließlich zum Nationalsymbol. Parallel zum Entstehen national orientierter Staatswesen wie Frankreich oder England begann das Adlersymbol eine engere Beziehung zu Deutschland zu knüpfen, da wegen der personellen Verbindung zwischen der römischen Kaiser- und der deutschen Königswürde auch die nicht zu Kaisern gekrönten deutschen Könige den Adler führten.

Im Mittelalter nahm der Adler dann Farben an. Er wurde schwarz in einen Schild mit der goldenen kaiserlichen Farbe gestellt. Später kam dann der Doppeladler als Abzeichen des Kaisertums und des Reichs auf. Die römisch-deutschen Kaiser führten fortan den Doppeladler, die oft schon zu Lebzeiten ihrer Vorgänger gekrönten römisch-deutschen Könige den einfachen.

Nun wurde der Adler ein Freiheits- und Unabhängigkeitssymbol. Frei wie ein Vogel sagt man ja noch heute.

Bei der Bismarckschen Reichsgründung 1871 kam der Doppeladler, weil Österreich-Ungarn ihn führte, nicht mehr in Frage, doch war der Adler als deutsches Nationalsymbol unumstritten. Er kehrte in seiner ursprünglichen, einköpfigen Form als Reichsadler zurück, traditionell schwarz gefiedert und rot bewehrt; auch der goldene Hintergrund wurde beim großen und mittleren Wappen wieder verwendet.

Während des Nationalsozialismus im „Dritten Reich“ präsentierte man den Adler in einer anderen Form. Das von Adolf Hitler entworfene, einem römischen Legionsadler nachempfundene Emblem der NSDAP mit einem Hakenkreuz in den Adlerfängen und nach rechts gewandtem Kopf wurde als Teil der Nürnberger Gesetze auf dem Reichsparteitag 1935 zum neuen Hoheitszeichen ernannt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde das alte Reichswappen weiter geführt.

Nach dem Wiedererstehen deutscher Staatlichkeit auf demokratischer Grundlage nach dem Zweiten Weltkrieg war es für die Bundesrepublik Deutschland selbstverständlich, den Adler der deutschen Republik als nunmehriges Bundeswappen wieder zu Ehren zu bringen. Bundespräsident Theodor Heuss setzte am 20. Januar 1950 das deutsche Wappen unverändert so fest, wie es schon in der Weimarer Zeit des Deutschen Reiches geführt worden war und seit der Deutschen Einheit 1990 wieder als gesamtdeutsches Wappen gilt.

Heute, nach der Wiedervereinigung, ziert der Bundesadler noch Geldstücke und den Bundestag.

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Eine Antwort to “Nationalstolz Teil 1 – Der Bundesadler”

  1. Blitzableiter Says:

    Hallo Gewitterwolke, der Artikel aus der TAZ ist sehr interessant. Wie stehst Du eigentlich dazu, hast Du erkannt was der Autor sagen möchte?

    Warum lässt Du darauf einen Artikel folgen, indem Du Deine Interpretation zu Nationalstolz zeigen möchtest, und einige Punkte zur Geschichte der Vorgängersymbole des heutigen Bundesadlers?

    ***
    Im Prinzip stellst Du oben eine Gedankenkette auf, die viele schon so wiederholt haben.

    In etwa so:

    „Auf seine Nation stolz zu sein hat nichts mit Faschismus zu tun. Nationalstolz heißt Fähnchen schwingen im Stadion usw.“ „Andere machen das auch.“ „Deutschland, Deutschland rufen heißt sich normal zu verhalten.“ u.Ä.

    Man denkt nicht, man sei anderen Nationen überlegen, sagst Du.
    Was denkt man denn?

    ***
    Worauf ist man denn stolz? Auf unsere Politik? Auf alle in unserem Land? Auf unsere Volksvertreter? Auf unser Bildungssystem? Auf unsere Wirtschaftspolitik? Auf unsere Exporte? Auf unsere Geschichte?

    Welchen Anteil hat die „Nation“ daran?

    Ich könnte stolz darauf sein, dass man in unserem Land Asyl beantragen kann.

    Wenn ich aber lese wie viele Menschen darüber denken, wie sie ihrem Hass besonders im Internet freien Lauf lassen, kann ich dann stolz auf die „Nation“ sein?

    Stolz bin ich aber auf denjenigen, der uneigennützig jenen hilft, die einen schwachen „Stand“ in unserem Land haben, weil sie alles zurücklassen mussten. Ich kann das aber nicht mit der Nation in Verbindung bringen.

    Ich könnte stolz auf freie Medien sein.

    Aber sind sie das? Den Glauben, dass es von der Allgemeinheit gewollt ist, dass man neutral und aufklärerisch berichtet habe ich verloren. Aufklären möchte dieser oder jener Journalist, aber in der Regel möchten jene Geld verdienen, möchten einen Arbeitsplatz. Da berichtet man eben das, was Quoten bringt.

    Damit wären wir bspw. auch, wie oben, bei „Dokumentationen“ eines Guido Knopp.

    Nationalstolz, oder übertriebener Nationalstolz hat eben doch etwas mit der Entstehung des Faschismus zu tun. Überlege doch mal, wann die agierende Generation der 30er und 40er Jahre geboren wurde. Von wem wurden jene erzogen, die Hitler und die NSDAP wählten. In welchen Verhältnissen wuchsen ihre Erzieher, ihre Eltern auf?

    Nationalstolz, oder besser Nationalismus gab es besonders seit dem 19.Jh., und vor allem im Wilhelminischen Kaiserreich. Das Leben war geprägt von Uniformen, und Nationalfarben. Und jede Handlung, der das Gewissen widersprochen hätte, konnte mit dem Ruf zu den eigenen Nationalfarben, und der Autorität, dem Kaiser legitimiert werden. Töten für Schwarz-Weiß-Rot war legitim.

    Wie man das nennen kann? Durch das Einschwören auf „Nationen“ wurde das Nachdenken verhindert. Man rannte ja 1914 in nationalem Taumel an die Front, um sich dort gegenseitig umzubringen. Hinterher wählte man Hitler, auch aus dem Grunde der so empfundenen „nationalen Schmach“. Schon wieder das Wort „Nation“.

    Da unsere, sich selbst so bezeichnende, „bürgerliche“ Gesellschaft nicht wahrhaben will, dass die Nazis nicht vom Himmel gefallen sind, und das sogar Teile der Wirtschaft, und damit das „Bürgertum“ den Diktator ermöglicht haben. Wird darauf Rücksicht genommen, eben auch von G.Knopp.

    Es sieht so aus, als ob man Nationalstolz bewusst reaktivieren möchte, aber nicht damit jedem „wohler“ ist, und er kein schlechtes Gefühl beim Fähnchenschwenken zu haben braucht.

    Wer in Nationen denkt, differenziert die eigene Gesellschaft nicht mehr so stark. Soll ich einen Bundespräsidenten Wulff gut finden, weil er dem Trainer der Nationalelf das Bundesverdienstkreuz verleihen möchte? Sind die Soldaten unserer Nation, unserer Sicherheit wegen in Afghanistan, wie A.Merkel glauben machen möchte? Sollen diese alles Mögliche an Gerät und Waffen bekommen, weil sie unsere „deutschen Jungs“ sind?

    Alles deutsch, vereinfacht das Denken, vereinfacht Entscheidungen, erleichtert deshalb eine bestimmte Politik.

    Unsere Schulen zeigen den jungen Menschen nur unzureichend, wie wichtig es ist, mit wachen Augen durch das Leben zu gehen. Man wird ausgebildet um auf dem Arbeitsmarkt zu funktionieren. Dein verkürzter Bericht über den Adler wird seinem Wesen in der Geschichte nicht gerecht.

    Das gute ist, dass der Bundesadler „nackt“ ist, allen seinen Symbolen, der Religion, der Monarchien und der Dynastien entkleidet. „Eliten“ sollen sich nicht mehr mit ihm schmücken. Deshalb soll man auch nicht immer so tun, als repräsentiere er das Gleiche, wie in imperialen Zeiten. Ein Symbol für die Freiheit im heutigen Sinne war er gewiss nicht. Wenn wir ehrlich sind hat er seinen Charakter, dem Regieren von „oben“ immer noch nicht abgelegt.


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